Die Frage klingt simpel. Die Antwort ist es nicht. Je nachdem, wen Sie fragen und was Sie als „Geld" zählen, liegt die Summe zwischen lächerlichen 5 Billionen und einer Zahl, die jedes Vorstellungsvermögen sprengt. Ich habe mich durch die Geldmengenstatistiken der letzten Jahre gewühlt und kann Ihnen sagen: Die Antwort ist weniger eine Zahl als eine Frage der Definition.

Wichtige Erkenntnisse

  • Bargeld (Münzen und Scheine) macht weltweit nur etwa 5 bis 8 Billionen US-Dollar aus – ein Bruchteil des gesamten Geldes.
  • Rechnet man Girokonten, Sparbücher und Festgelder hinzu (M1/M2), steigt die Summe auf rund 80 bis 127 Billionen US-Dollar.
  • Finanzderivate und spekulative Produkte bewegen sich im Billiardenbereich – existieren aber nur auf Papier oder als digitale Verträge.
  • Über 90 Prozent des weltweiten Geldes existiert nur noch als digitale Buchung – physisches Geld ist die Ausnahme.
  • Die Geldmenge wächst dynamisch: Nach der Finanzkrise und der Corona-Pandemie haben Zentralbanken weltweit die Geldmenge massiv ausgeweitet.
  • Die Antwort hängt komplett davon ab, ob Sie Bargeld, Buchgeld, Anlagen oder Derivate mitzählen.

Die kurze Antwort: Zwischen 5 Billionen und 127 Billionen Dollar

Fangen wir mit dem an, was die meisten Menschen meinen, wenn sie nach dem Geld auf der Welt fragen: das physische Bargeld. Münzen und Banknoten. Diese Summe ist überraschend klein. Weltweit kursieren etwa 5 bis 8 Billionen US-Dollar als echtes, anfassbares Geld. Das klingt gigantisch – ist aber nur ein winziger Bruchteil dessen, was tatsächlich als Geld existiert.

Der Großteil des Geldes ist unsichtbar. Es existiert als digitale Buchung auf Konten, als Guthaben in Sparkonten oder als Festgelder. Zählt man diese hinzu – Ökonomen nennen das die Geldmenge M1 und M2 –, dann reden wir plötzlich über 80 bis 127 Billionen US-Dollar. Und wenn Sie dann noch spekulative Finanzprodukte wie Derivate dazurechnen? Dann bewegen Sie sich im Billiardenbereich.

Die Spanne ist absurd groß. Und genau deshalb ist die Frage „Wie viel Geld gibt es auf der Welt?" so schwer zu beantworten. Es kommt komplett auf die Definition an.

M0: Das Bargeld – kleiner als Sie denken

Die engste Definition von Geld nennt sich M0 – die Geldbasis. Das umfasst alle physischen Münzen und Banknoten, die im Umlauf sind, plus die Zentralbankguthaben der Geschäftsbanken.

Was mich damals überrascht hat: Wenn man alles Bargeld der Welt zusammennehmen würde – Dollar, Euro, Yen, Franken –, käme man auf ungefähr 5 Billionen Dollar. Ich erinnere mich, wie ich diese Zahl zum ersten Mal sah und dachte: Das ist es? Für eine Weltwirtschaft, die jährlich ein Vielfaches davon an Waren und Dienstleistungen produziert?

Genau. Die moderne Wirtschaft läuft eben nicht auf Bargeld, sondern auf Vertrauen und digitalen Buchungen. Bargeld ist heute fast nur noch Kleingeld im wahrsten Sinne des Wortes – im Verhältnis zur Gesamtmenge. Und der Trend zeigt nach unten: In Skandinavien etwa wird Bargeld vielerorts gar nicht mehr akzeptiert.

M1 und M2: Das Buchgeld – wo das echte Geld lebt

Zählt man das Geld auf Girokonten, Sparbüchern und kurzfristigen Einlagen dazu, wird es ernst. Die Geldmenge M1 umfasst Bargeld plus Sichteinlagen – also alles, was Sie sofort für Zahlungen nutzen können. M2 addiert noch Spareinlagen und kurzfristige Termingelder hinzu.

Weltweit liegt diese Summe bei ungefähr 80 bis 127 Billionen US-Dollar. Die genaue Zahl hängt davon ab, welche Länder man einbezieht und wie aktuell die Daten sind. Aber die Größenordnung stimmt in allen seriösen Quellen überein: Das meiste Geld auf der Welt ist digitales Buchgeld.

Und ehrlich gesagt: Das ist auch gut so. Stellen Sie sich vor, Sie müssten Ihr gesamtes Vermögen in physischen Scheinen aufbewahren. Das wäre nicht nur unpraktisch, es wäre eine logistische Katastrophe. Die Tatsache, dass Geld digital existieren kann, hat die Finanzwelt erst ermöglicht, wie wir sie kennen.

Der Billiarden-Sprengstoff: Finanzderivate

Jetzt wird es verrückt. Wenn Sie Derivate – also Wetten auf Preisbewegungen von Aktien, Zinsen, Währungen oder Rohstoffen – mitzählen, explodiert die Zahl regelrecht. Der nominale Wert aller ausstehenden Derivate weltweit liegt im Billiardenbereich. Das sind Zahlen mit 15 Nullen.

Der Billiarden-Sprengstoff: Finanzderivate

Aber Vorsicht: Diese Summe ist trügerisch. Derivate sind keine echten Vermögenswerte, sondern Verträge. Sie bilden Werte ab, ohne selbst Werte zu sein. Der eine Vertrag gewinnt, was der andere verliert. In der Summe ist der reale Wert der Derivate also deutlich geringer als ihr Nominalwert – oft nahe null.

Für die Frage „Wie viel Geld gibt es auf der Welt?" sind Derivate daher ein Sonderfall. Sie sind Geld im weitesten Sinne, aber nicht Geld im Sinne von Kaufkraft. Ich persönlich finde, man sollte sie aus der Antwort heraushalten – sonst verliert die Frage jeden Sinn.

Warum die Geldmenge wächst – und wohin sie steuert

Die Geldmenge ist keine feste Größe. Sie wächst permanent. Zentralbanken drucken nicht nur in Krisen Geld – sie tun es im Grunde immer. Seit der Finanzkrise 2008 und verstärkt durch die Corona-Pandemie haben Zentralbanken weltweit ihre Bilanzen massiv ausgeweitet. Die berühmte „Geldschwemme" der EZB und der US-Notenbank Fed.

Das hat Konsequenzen. Mehr Geld im Umlauf bedeutet bei gleichbleibender Gütermenge: höhere Preise. Inflation. Und genau das haben wir in den letzten Jahren gespürt. Die Inflationsraten sind weltweit gestiegen, und ein Teil davon ist auf die ausgeweitete Geldmenge zurückzuführen.

Wohin geht die Reise? Wenn die Zentralbanken weiterhin Geld in die Märkte pumpen, wird die Geldmenge weiter wachsen. Die Frage ist nur, ob das realwirtschaftlich gedeckt ist – oder ob wir uns in eine Bubble hineinbewegen. Meine Meinung: Ein Teil der Geldmengenausweitung der letzten Jahre war überfällig. Ein anderer Teil war schlicht Übertreibung.

Geld vs. Vermögen: Der Unterschied, der alles erklärt

Ein häufiger Denkfehler bei dieser Frage: Geld ist nicht gleich Vermögen. Die Geldmenge – also all das, was als Zahlungsmittel existiert – ist nur ein Teil des weltweiten Vermögens. Der weitaus größere Teil steckt in Sachwerten.

Geld vs. Vermögen: Der Unterschied, der alles erklärt

Aktien, Anleihen, Immobilien, Gold, Kunst, Maschinen, Infrastruktur. Das alles ist Vermögen, aber kein Geld im engeren Sinne. Wenn Sie Ihr Haus verkaufen, erhalten Sie Geld dafür. Aber das Haus selbst ist kein Geld – es ist ein Vermögenswert.

Die Verteilung des Vermögens ist dabei extrem ungleich. Ein winziger Bruchteil der Weltbevölkerung – schätzungsweise um die 1,6 Prozent – besitzt fast die Hälfte des gesamten privaten Vermögens. Das ist keine neue Erkenntnis, aber es lohnt sich, sie sich bewusst zu machen, wenn man über „das Geld auf der Welt" spricht.

Die Geldmenge sagt Ihnen nämlich nichts über die Verteilung aus. Sie sagt nur, wie viel Geld existiert – nicht, wer es besitzt.

Und was ist mit Elon Musk und den Superreichen?

Die Frage nach dem reichsten Menschen der Welt ist eine der häufigsten, die mir gestellt wird. Aktuell ist Elon Musk immer wieder vorne mit dabei – sein Vermögen wird auf mehrere hundert Milliarden Dollar geschätzt. Allerdings: Das meiste davon ist in Aktien gebunden, nicht in bar.

Der reichste Mensch der Welt könnte also nicht einfach einen Haufen Bargeld hinstellen und sagen: „Hier, das gehört mir." Sein Vermögen ist virtuell – es schwankt mit dem Aktienkurs seiner Unternehmen. An einem guten Tag ist er einige Milliarden reicher, an einem schlechten Tag entsprechend ärmer. Diese Vermögen sind letztlich nur auf dem Papier real.

Wenn Sie sich die Verteilung des weltweiten Vermögens ansehen, wird klar: Die Geldmenge ist letztlich nur die Spitze des Eisbergs. Das eigentliche Vermögen liegt in Unternehmen, Immobilien und anderen Sachwerten – und das in den Händen einer sehr kleinen Gruppe.

Exkurs: Wie viel Geld gibt es in Deutschland?

Ein kurzer Blick auf Deutschland lohnt sich, weil die Zahlen hier gut dokumentiert sind. Die Deutsche Bundesbank veröffentlicht regelmäßig die Geldmengen für den Euroraum – und Deutschland ist das größte Mitglied der Währungsunion.

Die Geldmenge M3 im Euroraum liegt inzwischen bei über 15 Billionen Euro. Davon entfällt auf Deutschland ein erheblicher Teil – genau zu beziffern ist das nicht, weil die Geldmenge für den gesamten Währungsraum berechnet wird. Klar ist aber: Die Deutschen sind fleißige Sparer, und das spiegelt sich in den Einlagen bei Banken wider.

Interessant ist auch: Obwohl Bargeld in Deutschland nach wie vor beliebt ist, macht es nur einen Bruchteil der Geldmenge aus. Wenn alle Deutschen gleichzeitig ihr Bargeld abheben würden, wäre das System schnell am Limit. Insofern: Das Vertrauen ins System ist die eigentliche Währung.

Die eigentliche Frage: Was bedeutet das für Sie?

Also, wie viel Geld gibt es auf der Welt? Die ehrlichste Antwort lautet: Es kommt darauf an, was Sie zählen. Zwischen 5 und 8 Billionen Dollar Bargeld. Zwischen 80 und 127 Billionen Dollar, wenn Sie Bankguthaben mitzählen. Und im Billiardenbereich, wenn Sie Derivate einbeziehen.

Was mich nach all den Jahren der Beschäftigung mit diesem Thema am meisten fasziniert: Das meiste Geld ist nur eine Zahl in einem Computer. Es hat keine physische Existenz. Es ist Vertrauen – in Banken, in Staaten, in das System. Und dieses Vertrauen ist letztlich das eigentliche Geld auf der Welt.

Die Frage ist also weniger „Wie viel Geld gibt es?", sondern eher: Wie viel Vertrauen haben wir in dieses System? Die Antwort darauf entscheidet am Ende darüber, ob die Zahl auf Ihrem Kontoauszug auch etwas wert ist.